relikte

Nicht nur unterirdisch lassen sich viele historische Relikte aus längst vergangener Zeiten entdecken, sondern auch oberirdisch gibt es noch zahlreiche "Stumme Zeugen" wie zum Beispiel alte Luftschutz Sirenen, die wir hier auch vorstellen möchten. Auf einigen alten Hausfassaden sind ebenso interessante Markierungen zu finden, die historisch relevant sind, wie etwa verbliebene Luftschutzpfeile udgl. Aufmerksame Stadt- und Landforscher "stolpern" bei Ihren Erkundungen auch über diverse Notausstiege der Firma "Mannesmann" u. a. vergessene, vergilbte, versteckte

Relikte im Stadtbild und in ländlichen Gegenden.

Kommen Sie mit und entdecken Sie mit uns all diese Relikte!

 

In diesem Ordner finden Sie noch weitere verblüffende Entdeckungen.

 

- Vergessene Luftschutzsirenen                           - Kugelbunker

- Notausstiege am Gehsteig                                 - Panzergraben

- Wesen in alten Stiegenhäusern                         - vergilbte Totenbildchen

- historische Denkmaltafeln                                 - Tresore

- versteckte vergilbte Plakate                               - u. s. w.

- Kachelöfen

 

 


Impressionen: Auf Spurensuche nach Relikten


Verwaiste Tresore

 

In ihnen wurde einst der wichtigste Besitz gehortet, den ein Mensch vor den Zugriff anderer Personen in Sicherheit wissen wollte. Geld, Sparbücher, Schmuck oder ganz andere Dinge wurden in Tresore fest verschlossen. Was alles in den finsteren kleinen Stahlkammern, in denen ich hineinblickte, bombenfest und feuersicher verborgen lag, weiß ich letztendlich aber auch nicht. Im Lauf der vielen Jahre entdeckte ich etliche, meist in Kellern deponierte verwaiste Tresore, die inhaltsleer, ausrangiert, ausgekoffert, ein stilles Dasein fristen. Diese „tonnenschweren“  Stahlkammern stehen wahrscheinlich schon eine Ewigkeit in den vergessenen Nischen. Der Anblick der zentimeterdicken Stahltüren, nun halboffen, und der einbruchsicheren Schließfächer, nun leer, gleichen irgendwie einer „Leiche“, deren Innereien irgendwann schamlos entfernt worden waren. Dann wurden sie in den Keller verfrachtet. Ein offener Panzerschrank wirkt entwaffnet, ist nackt, scheint ein Verlierer, ein Loser zu sein, hat kapituliert, hat quasi seine Aufgabe, seine Bestimmung in diesem Endstadium zumindest nicht erfüllt. Wir brauchen den Elefanten, das Walross, den Bison, etc. nicht mehr.

 

Dennoch besitzen diese alten Kobeln, die Relikte aus vergangenen Tagen eine stolze Strahlkraft, denn sie waren einst die Hüter von verborgenen Geheimnissen, an denen Nichts und Niemand herankam, der nicht den Tresorschlüssel hatte. Das Faszinierende an den eisernen Kästen ist ebenso die trotzige und felsenfeste Kompaktheit, auch wenn sie heute, wie oben bemerkt, offen dastehen. Und die schmucken Verzierungen, all die bruchsicheren Applikationen, die aus ihrer Entstehungszeit stammen, sind unverbrüchliche Zeichen einer stolzen, würdigen Standfestigkeit. Viele eingestanzte Namen der Herstellerfirmen mögen auch heute noch bekannt sein und bürgen für Qualität.

 

Den ausrangierten eisernen Stahlkolosse, die mir oft unerwartet begegneten, zollte ich Respekt. Ich denke, viele dieser „Leichen“ stehen heute noch mit Spinnweben überzogen auf ihren vielleicht letzten Stationen. Wegtragen kann man sie ohnehin nicht so leicht. (Marcello La Speranza)

 



Denkmal an die gefallenen Fallschirmjäger

Vor einigen Wochen entdeckte ich bei einem Ausflug in die wunderschöne Steiermark ganz zufällig ein Denkmal, welches an gefallenen Fallschirmjäger des Zweiten Weltkrieges erinnert.

Errichtet wurde dieses "Ehrenmal" im Jahre 1954.

(Lukas Arnold)

 

Rund zehn Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltrieges wurden Kriegerdenkmäler noch gerne in dieser Form gestaltet, wo noch der "kriegerische Akt" im Fokus stand und nicht das Leid der Soldaten. Der angriffslustige, sich auf den Feind stürzende Adler, krönt die Stele. Der Text auf auf den Erinnerungstafeln zelebriert den Heroismus und die Bereitschaft des Sterbens. Die Form, die Gestaltung, die Ausführung, der Inhalt, die Botschaft, sprich das "Gesamtkonzept" dieses Ehrenmal ist selbst zu einem eingefrorenen Relikt einer vergangenen Epoche geworden. In vorangegangenen Abschnitten der Geschichte, auch weit vor dem Zweiten Weltkrieg liegend, waren solche martialischen Darstellungen e vouge. Im Altertum (Ägypten, Rom, ...) waren solche Monumente allgegenwärtig. Angriffstrainierte Tiere, wie beispielsweise Löwen und natürlich Adler waren stets plakitative Applikationen an Kriegerdenkmäler. Heute werden Kriegerdenkmäler, wenn überhaupt, in einer ganz anderen Erscheinungsform geschaffen, wo der Schmerz, der Charme, der Pein im Zentrum steht. Und Tiere sind inzwischen auch keine Motive mehr, die mit solchen Denkmäler in Verbindung zubringen sind.

Dieses Denkmal in der Steiermark bleibt dennoch ein sehenswertes Zeugnis, welches zwar antiquiert und nicht mehr zeitgemäß sein mag, aber als Anschauungsdenkmal wertvoll ist. Gefallene Soldaten, egal welcher Nation, verdienen darüber hinaus auch ein bestehendes Erinnerungsmal. (Marcello La Speranza)



Historischer Dachbodenfund

Auf unseren Touren erkunden wir nicht nur die geheimnisvolle Wiener Unterwelt, sondern werfen auch einen Blick auf die Dachböden, welche sich des öfteren auch als "Zeitkapseln" entpuppen.

 

In der Wiener Innenstadt entdeckten wir auf dem Dachboden eines Hauses  aus dem 18 Jahrhundert, mehrere kleine Zimmer, welche wohl einst als Wohnräume genutzt waren. Ins Auge gesprungen ist uns auch eine Türe, welche ein kleines, vergittertes Fensterchen hatte und uns sehr an eine Gefängnis- Tür erinnerte. Ob der kleine Raum vor einigen Jahrzehnten tatsächlich als Gefangenenraum in Verwendung war, wissen möglicherweise nur die einstigen Bewohner?

 

Wir erkundeten weiter den Dachboden, und es fühlte sich wie eine Zeitreise an. Wir entdeckten mehrere Artefakte aus längst vergangenen Zeitepochen, so auch einen hölzernen Baumstamm, um den ein dickes Seil umwickelt war.

Besonders fasziniert hat mich ein Raum, an dem noch die letzten Reste einer blauen Tapete zu Vorschein kamen. Es war ein seltsames Gefühl, wenn man denkt, dass hier einst Leute gewohnt haben. Unter der Tapete kamen mehrere Zeitungen, in einem unglaublich guten Zustand, zum Vorschein. Auf mehreren Seiten entdeckten wir das Datum der Ausgabe: "18 Juni 1875". Es war wirklich erstaunlich, dass diese Exemplare beinahe unbeschadet seit fast 150 Jahre am Dachboden überlebt haben. (Lukas Arnold)



Die elegante "Kriegslok"

Bei einer unserer Expeditionstouren kamen wir, Stefan und ich, zufällig an der abgestellten „Kriegslokomotive“ in Strasshof (Niederösterreich) vorbei, die uns sofort optisch fesselte. Die schwarz-rot gestrichene, elegante Lokomotive strahlte schon aus der Ferne. Auch die Größe des Stahlkolosses beeindruckte. Wir erkannten, dass es sich um ein Exemplar der legendären „Baureihe 52“ handelte, die während des Zweiten Weltkrieges in großer Zahl für die „Deutsche Reichsbahn“ hergestellt worden war. Aufgrund des erhöhten Bedarfes an Güterzugslokomotiven, infolge des „Russlandfeldzuges“ (ab 1941), wurden von diesen Lokomotiven bis zum Kriegsende etwa 7000 Exemplare produziert. Unsere Recherchen ergaben, dass insgesamt 16 Lokomotivfabriken in Europa diese tauglichen Modelle herstellten. Die „52“-Baureihe war extrem robust, bewährte sich im Kriegseinsatz und war noch etliche Jahrzehnte nach dem Krieg in vielen Ländern im Dienst. Dieses Ungetüm konnte rund 80 km/h (vorwärts und rückwärts!!!) schaffen. Unser entdecktes Exemplar (hergestellt bei der WLF = Wiener Lokomotivfabrik Floridsdorf, Baujahr 1944) wurde 1976 ausgemustert und befindet sich nun als Leihgabe der „ÖBB“ (Österreichische Bundesbahn) an diesem Standort. Als Denkmal ist diese wunderbare Lokomotive in einem doch guten, passablen Zustand. Ein Relikt, welches glücklich in die Gegenwart transportiert wurde.

(Stefan Andert und Marcello La Speranza)

 




Der Wehrbär in der Höhle

In der Bärengasse in Berndorf steht ein Wehrbär! Es handelt sich dabei um eine hölzerne Bärenskulptur die Anfangs des 1. Weltkrieges geschaffen wurde. Das Besondere daran sind die unzähligen Stahlnägel, die von der Bevölkerung zum Kostenbeitrag von 10 Hellern zugunsten des Kriegshilfswerkes 1915 eingeschlagen worden sind. Der Initiator dieser regionalen Idee war Arthur Krupp (Besitzer der bedeutenden Berndorfer Metallwaren-Fabrik). Seit mehr als einem Jahrhundert fristet dieser Bär nun sein Dasein mit dem Schwert im Maul und träumt in der kleinen Höhle vielleicht manchmal vom ebenso eingehausten "Wehrmann"  in Wien. (Stefan Andert)



Globenhaltende Frauenfiguren

Es ist erfreulich, das heute noch etliche reich verzierte Fassaden an historischen Palais existieren, die aus der ehemaligen kaiserlichen und königlichen Haupt- und Residenzstadt Wien stammen. Leider wurden in den unmittelbaren Nachkriegsjahren viele Dekorelemente rigoros eliminiert, die aus der Habsburgermonarchie stammen.

 

Die verbliebenen, hübschen und wuchtigen globenhaltenden Frauenfiguren  auf dem monumentalen Eckhaus zieren das im Jahre 1908/09 errichtete prächtigen Palais und haben Stürme und Denkmalattacken überdauert. Damit ihnen Wind und Wetter nicht noch mehr zusetzen wurden ihre Hände und das Haupt mit einem wehrhaften Harnisch überzogen. Als ich den Balkon dieses noblen Gebäudes besuchen durfte (2020), war ich von den imposanten Gestalten überwältigt. Aus der Nähe wirken diese beständigen Hüterinnen ziemlich trotzig und gleichzeitig anmutend. (Marcello La Speranza)

 



Vergilbte Totenbildchen

Sie werden immer seltener. Wir finden die ovalen, durch Wind und Wetter zerschlissenen Bildchen, meist auf altersschwachen Grabsteinen. Mit glasigen Augen blicken uns die abgelichteten Männer und Frauen aus fernen Sphären an. Die Männer, oft in Wehrmacht- oder k.u.k.-Uniform (mit gepflegtem Bart), und die Frauen, ebenso adrett gekleidet, stammen aus längst vergangenen Zeiten. Das waren also unsere Urgroßeltern?

 

Die aus Porzellan oder Keramik gefertigten Bildchen, auf denen das Konterfei unserer Ahnen gebrannt wurde, waren sicherlich nicht billig. Obwohl schon einige ziemlich ausgebleicht sind oder Risse aufzeigen, hielten sich die festen Bilder schon an die 100 (?) Jahre. Man wollte seinerzeit das Antlitz der lieben Verwandten nachhaltig im Gedächtnis bewahren. Man kann davon ausgehen, dass so manche Bildchen auch die Nachkommen überdauert haben.

 

Die „Toten“ auf den Bildern fesseln und berühren uns, wenn sie uns mit verliebten oder starren Blicken treffen, als wollten sie uns was sagen. Es gibt aber auch kuriose und verstörende Bilder, z. B. jene auf denen die Verstorbenen als Tote verewigt wurden. Im Pool der Totenbilder finden sich auch - eher selten - Leichen, die scheinbar schlafen. Diese Art der Erinnerung empfinde ich persönlich seltsam. Bedrückend sind auch Fotos von kleinen Kindern, die allzu jung diese Erde verlassen mussten. Mir sind die Bildchen auf denen uns unsere Urgroßeltern lächelnd ansehen lieber, da sie mir tröstlicher scheinen.  Ich fotografiere alle diese vergilbten Totenbildchen. Ihre Seelen sind im Himmel, in Nirvana, in Walhalla oder sonstwo, wo wir uns auch einmal hinbegeben werden. (Marcello La Speranza)

 

 

 



Kugelbunker

Fährt man durch die burgenländische Gemeinde Rattersdorf und kommt man dort beim Fußballplatz vorbei, dann erkennt man neben dem Spielfeld eine verwitterte Betonkugel. Ist dieses Gebilde, welches an einen überdimensionierten Fußball erinnert, ein Denkmal für ein lang zurückliegendes Meisterschaftsspiel? Nein, es handelt sich bei diesem Stahlbeton-Element um einen verbliebenen Kugelbunker aus dem Zweiten Weltkrieg! Zahlreiche dieser „Minibunker“ wurden 1945 in den „Südostwall“ integriert (siehe Beitrag: Panzergraben). Diese Betonstände waren für MG-Schützen vorgesehen. Der hier nachträglich positionierte Kugelbunker ist „verkehrt“ aufgestellt. Ursprünglich waren diese Kugeln, fabriksmässig und relativ simpel hergestellt, in vielen Verteidigungsstellungen fast zur Gänze eingegraben.

 

Sie zählen zur Kategorie der Kleinstbunker. In manchen Dörfern findet man noch solche Weltkriegs-Relikte, die vielfach aber inzwischen als Blumenkästen zweckentfremdet wurden. Dass dieser hier, noch dazu mit einer Informationstafel versehen überlebt hat, ist erfreulich. (Stefan Andert)  

 

 

 



Panzergraben - Südostwall

Im Zuge meiner beruflichen Tätigkeit führte mich mein Weg ins Burgenland. Nordöstlich der Gemeinde Schützen am Gebirge besuchte ich einen Abschnitt des „Südost Wall“; einen Panzergraben der Ende 1944, Anfang 1945 errichtet worden war. Ziel war es, die sowjetischen Truppen an der Grenze des „Deutschen Reiches“ aufzuhalten. Bei diesen, letztendlich nutzlosen Schanzarbeiten, wurden hauptsächlich tausende Zwangsarbeiter eingesetzt. Hinter der nachgebauten hölzernen Bauschablone verläuft der verwilderte Graben noch einige hundert Meter weiter bis zur Tiergartenmauer. Eine Informationstafel des „Kulturverein Schützen“ (aufgestellt 2014) beschreibt die Anlage und den historischen Zusammenhang. (Stefan Andert)

 



Gedenkkreuz in Niederösterreich

Ein ergreifendes Gedenkkreuz fand ich bei Ambach in Niederösterreich, welche aufgrund der Beschaffenheit und Kontextualisierung bereits ein besonderes Zeugnis der Vergangenheit ist. Es erinnert nicht nur an den letzten hier verlaufenden Frontabschnitt des Zweiten Weltkriegs, sondern auch an die gefallenen Soldaten, die zu würdigen sind. 1946 wurde dieses Marterl errichtet. Die Inschrift lautet: "Zum Gedenken unserer Helden! Wir mussten unser junges Leben für Euch auf dem Schlachtfelde geben. Der Herr wird es lohnen im ewigen Leben. Wir bitten Euch alle vergesset uns nicht! Für Helden zu beten ist heilige Pflicht. Ein „Vaterunser“ mehr wollen wir nicht. 1939-1945".

(Stefan Andert)

 



Edelweiß - Soldatenfriedhof

Eine Stätte die an die letzten schweren Kämpfe des Zweiten Weltkriegs erinnert ist auch dieser Deutsche Soldatenfriedhof, der  hoch oben auf 800 m Seehöhe auf der steirischen Seite des Semmerings angelegt wurde. 286 Soldaten fanden hier ihre letzte Ruhe.

 

Bewegend sind die auf einer Tafel angebrachten Worte:

 

„Hier grub man einst die letzten Kämpfer ein
Die nächtlich uns vom Sternenhimmel grüssen
Sie sollen uns die allerletzte Mahnung sein
Dass Menschen niemals mehr auf Menschen schießen.“

 

Auf dem großen Friedhofskreuz ist das „Edelweiß“ das bekannte Truppenkennzeichen der Gebirgsjäger zu sehen. Die Toten mahnen an die in dieser Gegend im April 1945 stattfindenden Abwehrkämpfe gegen den Vormarsch der Roten Armee auf österreichisches Territorium.

(Stefan Andert)

 



Propaganda

Ein verbliebenes, besonders interessantes Relikt aus der NS- und Kriegszeit wurde auf der Rückseite einer Kellertür im Licht der Taschenlampe entdeckt.  Es handelt sich um ein typisches Warn- und Propagandaplakat welches seinerzeit überall, vordergründlich an öffentlichen Plätzen affichiert wurden. Die Bevölkerung wurde permanent aufgefordert, auch wenn sie sich tatenlos in Luftschutzkeller verkriechen musste, sich  ständig gegen Defätismus zu wehren. Hierzu wurden Sieges- und Durchhalteparolen ausgegeben.  Der behördliche Arm des Dritten Reiches ermahnte - unter Androhung von Strafen - den strengen Anweisungen des Staates zu folgen. Bestimmte Parolen, wie "Schweigen"  oder "Feind hört mit" gehörten zu diesen rigorosen Maßnahmen. Wer diese nicht ernst nahm oder dagegen arbeite, hatte mit schweren Strafen zu rechnen. (Marcello La Speranza)

Viele interessante Begegnungen in Keller und Bunker aber auch im Stadtbild Wiens finden sich in meiner mehrteiligen Buchserie die im Verlag "Edition Mokka" erschienen sind.  Marcello La Speranza: "Begegnungen", Erforscht", "Dokumentiert", "Bobachtungen".



Kachelöfen

Sie wirken zwar klobig, sind aber auch schön. Sie sind beige, grün oder schmutzig weiß. Bei unseren Streifzügen durch alte aufgelassenen Wohnungen entdecken wir ab und zu alte Kachelöfen. Diese verstaubten Relikte aus der Zeit unserer Großeltern stehen alleine in den Ecken. Sie sind die letzten baulichen Zeugnisse in verlassenen Räumen. Es mag vielleicht zu mühselig gewesen sein, dass die Vorbesitzer diese einst so heimeligen, wärmenden Zimmergenossen nicht mitgenommen haben. So stehen sie heute verloren in ausgeschlachteten Wohnungen und warten auf eine ungewisse Zukunft. Werden sie zerschlagen, landen am Müll oder finden sich Liebhaber, die diese erkälteten Klötze wieder wärmen? (Marcello La Speranza)

 



Der Heustadl Bunker in Sommerein

Einige bemerkenswerte Beispiele für getarnte Bunkeranlagen haben sich am Rande der Ortschaft Sommerein erhalten. Rund ein Dutzend Beobachtungsbunker des ehemaligen Truppenübungsplatzes der Wehrmacht stehen zwischen Feldern und Wäldern verstreut und warten auf unseren Besuch. Durch ihre Sehschlitze wurden damals die Artillerietreffer in der Umgebung ausgewertet. Erstaunlich sind die noch gut erkennbaren Versuche diese Anlagen durch imitierte Bemalungen als Heustadeln (Scheunen) mit Fenstern und Holzbalken als zivile Objekte zu Tarnen. Die Aufschrift "18HL42" über dem gemalten Holztor ist wahrscheinlich ein verdeckter Hinweis auf die tatsächliche Entstehungszeit im Jahre 1942. Bleibt nur noch die Frage offen, ob angreifende Feinde sich durch solche kreativen Maßnahmen täuschen ließen? (Stefan Andert)


Luftschutz Markierungen

"LSR", "NA", "MD". Was auf den erstem Blick wie kryptische Zeichen wirken, wo nebenbei auch aufgemalte Pfeile zu sehen sind, sind Hinweismitteilungen, die aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges stammen. Sie zeigten damals den Luftschutzsuchenden den Weg zu den rettenden "Luftschutzräumen", aber ebenso zu "Notausstiegen" oder "Mauerdurchbrüchen". Anhand dieser Markierungen konnten auch die Rettungskräfte bzw. Bergungstrupps nach den Bombenangriffen eingeschlossene oder verschüttete Personen in zerstörten Häusern finden. Auch heute finden sich noch vereinzelt diese historischen Aufschriften an so manchen Hausfassaden. Wenn diese Relikte auch meistens sehr verblasst und kaum leserlich sind, dann sind sie doch auch Zeugnisse des umfassenden Bombenkrieges. (Lukas Arnold)



Stalins letzte Gedenktafel?

Ich habe die wahrscheinlich letzte Stalin-Gedenk-Tafel in der westlichen Welt dokumentiert. Die Marmorplatte mit Bronzerelief des Diktators hängt auf der Fassade des Hauses in der Schönbrunner Schloßstraße 30. Stalin hielt sich im Jänner und Februar 1913 hier bei russischen Gastgebern in der Wohnung Nr. 7 auf, und sollte im Auftrag von Lenin einen Bericht über die verfehlte Einwanderungspolitik der Habsburger K. u. K. Monarchie verfassen. Die Gedenktafel wurde anlässlich Stalins 70. Geburtstag, 1949, von Bürgermeister Theodor Körner enthüllt. Eine schwarze Tafel darunter, die 2012 angebracht wurde, erwähnt die Millionen Opfer des Stalinismus. Im Zuge der Entstalinisierung und des Zusammenbruches des Kommunismus waren nach und nach im gesamten Ostblock die Denkmäler dieses Diktators entfernt worden; ebenso in der westlichen Welt, nur eben - kurioserweise - nicht in Wien. Auch den Bitten Nikita Chruschtschows die Tafel zu demontieren kam man in Wien nicht nach und verwies auf den Österreichischen Staatsvertrag von 1955, wonach man russische Denkmäler zu pflegen hatte. (Stefan Andert)



Luftschutz Sirenen

Auf Wiens Dächern sind noch etwa 30 der alten Weltkriegssirenen montiert, die jedoch nicht mehr in Verwendung stehen. Diese verrosteten Motorsirenen sind erstaunliche Relikte aus der Zeit des Bombenkrieges, die hartnäckig Wind und Wetter trotzen. Markante Merkmale dieser Boten des Unheils sind ein oder zwei Schutzhauben über den Sirenenkopf. Hauptsächlich wurden die Sirenen von den Firmen Hagen bzw. Helin in Westfalen, Rupert Rauch in Sachsen oder von der heimischen Firma Siemens Schuckert  hergestellt. Seltene Exemplare sind  welche der Firma Siemens-Halske mit drei Hauben. Im Zuge der Dach-ausbauten wurden in den letzten Jahren viele dieser ausrangierten Sirenen abmontiert und gingen verloren.

Wir haben einige vor der Verschrottung gerettet.

(Marcello La Speranza)

 



Notausstiege Mannesmann

An vielen Gehsteigen sind unzählige Notausstiege zu bemerken, auf deren Umrahmung die Worte „Luftschutz-Mannesmann“ zu lesen sind. Rund 100 sind davon noch in Wien zu entdecken. Durch die engen Schächte, über Eisensprossen kletternd, konnten sich Personen aus den Kellern nach oben ins Freie retten. Diese Notausstiege sind Relikte eines umfassenden Schutzprogrammes, das zur Rettung der Verschütteten flächendeckend eingesetzt wurde. Die deutsche Firma Mannesmann-Röhrenwerke fabrizierte für ganz Deutschland diese kompakten Notausstiege, die sich auch noch in vielen anderen Städten finden. Ebenso stellte die Firma „Mauser“ (Stammsitz in Köln) auch Notausstiege her, die jedoch seltener in Wien zu finden sind. Diese sind an der Aufschrift „Mauser“ zu erkennen. (Marcello La Speranza)

 



Zerfleddert

Im Durchgang einer Wiener Wohnhausanlage kleben hinter einem Müllcontainer an der verschmutzten Ankündigungstafel die Reste alter Spielfilm-Reklamen. Auf den Papierfetzen sind die Titel folgender damaliger nervenaufreibender Spielfilme noch zu entziffern: "Die Gruft der toten Frauen" (ein britischer Horrorfilm aus dem Jahre 1965) und "Strafbataillon 999" (ein deutscher Kriegsfilm aus dem Jahre 1960). Diese Relikte sind ebenso Reste vergangener Tage, die im Schatten der pulsierenden Großstadt verdeckt überlebt haben.

Gesichtet 2019 (Marcello La Speranza)



Wesen in alten Stiegenhäusern

Wir alle sind ihnen schon begegnet: Gußeiserne Adler, Greife, Löwenköpfe oder sonstige fabelhafte Geschöpfe, die als Abschlußfiguren der Treppengeländer in alten Stiegenhäusern zu finden sind. Sie sind Relikte einer alten Tradition, die teilweise auf die antike Welt zurückreicht. Schon im Altertum setzte man Darstellungen von wehrhaften Tieren als Abschreckung und Zauber gegen unliebsame Gäste im Eingangsbereich eines Heimes. Sie fungierten zuweilen auch als Glücksbringer. Die Palette dieser schmucken Wesen ist variabel. Ebenso wurden besiegte Zeitgenossen (Türkenköpfe) angebracht. Auch finden sich gütige Götterabbildungen (etwa Hermes). Bei meinen Streifzügen durch das Wiener Häusermeer entdecke ich unzählige dieser bereits liebgewonnen Relikte vergangener Zeiten. (Marcello La Speranza)



Statue aus Bombenschutt geborgen

Bei einer Fahrt durch die Ungargasse (Wien 3. Bezirk) erblickte ich im Augenwinkel bei der Hausnummer 28 unter einer Heiligenfigur eine Tafel auf welcher das Datum "12. März 1945" vermerkt ist. Sofort hielt ich an, um die Entdeckung genauer zu betrachten. Ich  erblickte unter der barocken Staue des "Salvator Mundi", dass diese wie durch ein Wunder den Bombenangriff des Zweiten Weltkrieges überstanden und an die schliche Fassade des Nachkriegs-Wohnhaues montiert wurde. Als Mahnmal befindet sich diese aus dem Bombenschutt geborgene Statue nun an dem Neubau. Ich denke, die wenigsten Passanten die hier vorbeikommen, wissen  nicht die Geschichte dieser Statue und des Hauses, wenn sie nicht den Text auf dieser Erinnerungstafel aufmerksam lesen. (Stefan Andert)



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Zuletzt bearbeitet am   28.10.2020