NÜRNBERG: GESCHICHTE ZUM ANGREIFEN

hISTORISCHE FELSENKELLER

Nürnberg-Geschichte zum Anfassen.

Macht man einen Spaziergang durch die Nürnberger Altstadt, so erkennt man neben vielen historischen Fachwerkhäusern auch die alte, fünf Kilometer lange Stadtmauer inklusive den Wehrtürmen, den Graben und den großen Haupttoren. Auch im Untergrund kann man die Geschichte hautnah erleben, insbesondere jene aus der traurigen Zeit des Zweiten Weltkrieges. In den Jahren 1940-1945 wurde Nürnberg Ziel der britischen Royal Air Force (RAF). Es erfolgten Luftangriffe die schwerste Schäden anrichteten und 90 Prozent der Altstadt zerstörten. 

Am 10. Oktober 1940 wurde auf Befehl Adolf Hitlers das "Führer Sofortprogramm" gegründet, welches vorsah, dass im Deutschen Reich Luftschutzbunker gebaut werden sollten. Im anlaufenden Luftschutzprogramm wurden ebenso bereits bestehende Keller adaptiert. In der Altstadt wurden seid vielen Jahrhunderten Gewölbe und Gänge in den  Buntsandstein geschlagen bzw. gebaut, welche erstmals 1380 urkundlich erwähnt wurden. Während des Zweiten Weltkrieges wurden nun auch die weitläufigen Kelleranlagen des "Felsenkeller" zum Schutz vor Luftangriffen als mustergültige Luftschutzräume ausgebaut, Die Relikte dieser Zeit sind auch noch fast 80 Jahre nach Ende des Krieges gut zu erkennen.

Im Sommer 2018 besuchte ich mit einer Führung der "Nürnberger Felsengänge" ein kleinen Teil des weitläufigen "Labyrinths" der "Felsengänge". Ich war sehr gespannt, was mich erwartete, da ich schon einige Bilder im Internet von dieser Anlage gesehen habe. Der Einstieg in die "Unterwelt Nürnbergs" erfolgte durch eine unscheinbare Tür. Es ging einige Meter bergab und dies sorgte für eine willkommene Abkühlung bei Außentemperaturen von fast 40 Grad. Der Abstieg endete direkt in der ehemaligen "Gasschleuse", Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges war die Angst vor Giftgasangriffen sehr groß und so baute man dementsprechende Schutzvorkehrungen  gegen Kampfstoffe ein. Weiters wurden auch spezielle Lüftungssysteme in den Anlagen eingebaut, welche frische bzw. gefilteret Luft in die Räume beförderten sollten.

Es war für mich ein eigenartiges Gefühl, in diesen alten Räumen zu stehen, da die Aura der Vergangenheit noch förmlich in der Luft war.  Ein paar Meter weiter entdeckte ich die Propaganda-Aufschrift: "Gerüchte verbreiten ist Landesverrat", welche fein säuberlich an die Wand geschrieben wurde. Auch der Hinweis zu den Notausstiegen, sowie etlichen Orientierungspfeile konnte ich noch an den Wänden erkennen. Weiter ging es durch die Gänge. An einigen Stellen und Gewölben konnte man noch Relikte entdecken, die noch vor dem Zweiten Weltkrieg, als die Keller zur Reifung und Lagerung von Bier verwendet worden waren. Nach Anderthalb Stunden im Untergrund endete die Tour in einer aktiven Bierbrauerei. Abschließen lässt sich sagen, dass es eine sehr spannende Führung durch die jahrhundertelange Geschichte Nürnbergs war und ich diese Tour nur jeden empfehlen kann.

(Lukas Arnold)

 

 

 

KUNSTBUNKER

Unmittelbar nach Anfang des Zweiten Weltkriegs wurde direkt unterhalb der Kaiserburg in sehr großes Bunker-System angelegt, welches bis zu 24 Meter Tief in den Berg getrieben wurden. Im Gegensatz zu den Luftschutzanlagen die für die Zivilbevölkerung bestimmt waren, wurde dieser Bunker gebaut, um die Kunstschätze Nürnbergs vor Luftangriffen zu Schützen. So wurden zum Beispiel der "Engelsgruß" des Veit Stoß aus der Lorenzkirche, das "Männleinlaufen" aus der Frauenkirche am Hauptmarkt und die "Reichskleinodien" ursprünglich aus der Wiener Schatzkammer (Adolf Hitler orderte persönlich an die einst im Habsburgbesitz befindlichen Reichskleinodien nach Nürnberg zu verfrachten) stammen. Es entstand ein ausgeklügeltes System zur Entwässerung, Beheizung und Belüftung, welches für optimale klimatische Bediengungen sorgte. Für das Wachpersonal wurden eigene Räume und Einrichtungen gebaut, welche bis heute erhalten sind und besichtigt werden können. Dieser extreme Aufwand rund um den Bau des Bunkers wurde betrieben, damit die Kunstschätze nicht Opfer des Bombenkrieges oder von Räuber werden.

Der Besuch des "Kunstbunkers" war für mich sehr spannend, da im Inneren noch zahlreiche original Einrichtungen zusehen sind, wie zum Beispiel die massiven Stahltüren, die Luftschutzblenden der Notausgänge und auch die alten Feuerlöscher. (Lukas Arnold)

 

 

 

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Zuletzt bearbeitet am   28.10.2020