Luftschutz netz "INNERE STADT"


Postgasse 7 (1997)

Von der einstigen Polizeistation ist heute nichts mehr vorhanden. Ebenso haben sich die dortigen Keller, die während des Krieges luftschutzmäßig ausgebaut worden waren, verändert. Vor ein paar Jahren konnte ich beim Abstieg in die dortigen Gewölbe noch eine Reihe von Spuren aus der Vergangenheit beobachten. Dass der Keller auch gegen Kampfstoffe gesichert war, bestätigt die charakteristische Aufschrift im Bereich der Gasschleuse. Der Hinweis "Nicht stehen bleiben!" forderte die Luftschutzsuchenden auf, diese damals zu verschließenden Schleuse rasch zu passieren. (Marcello La Speranza)



Postgasse 8-10

Unter dem ehemaligen großen Postgebäude befinden sich (noch) zahlreiche Hinweise, dass die Keller luftschutzmäßig gut gesichert waren. Zahlreiche Ordnungs- und Hinweisaufschriften geben Beispiel, wie das Überleben im Untergrund organisiert war. Hier möchten wir einige der interessanten Markierungen auflisten: "Trinkwasser", "Zu den Frauen Aborten", "Durchgang zur Dominikanerbastei", "Zu den Schutzräumen", "Mauerdurchbruch", etc. In diesem großen Luftschutzbereich sind auch noch mehrere der typischen Luftschutztüren anzutreffen. Derzeit erfolgt ein Umbau des gesamten Gebäudekomplexes und es ist zu befürchten, dass der archäologische Bestand der "neueren Geschichte" dabei auch verloren geht. Wir haben sämtliche Spuren zumindest dokumentarisch aufgenommen. (Marcello La Speranza)



Notizen in den Verbindungs-gängen

Unter den Straßen und Gassen der Innenstadt wurden während des Zweiten Weltkrieges gemauerte und teilweise ausbetonierte Stollen angelegt, welche die Keller benachbarter Häuser untereinander verbunden hatten. Sollte der Luftschutzkeller und die üblichen Notausstiege

- so auch die Mauerdurchbrüche eines Hauses - durch Bombentreffer verschüttet sein, konnten sich luftschutzsuchende Personen durch diese weitreichenden Stollen eine weitere Option eines Ausganges verschaffen. Die Stollen wurden aber auch angelegt, um „Melder“ durch das unterirdische Labyrinth zu schicken, um Informationen weiterzuleiten.

 

Heute sind die Stollen, sofern sie nicht komplett verfüllt sind, am anderen Ende abgemauert. Bei den Untersuchungen dieser Verbindungsgänge sind noch Reste der Lichtleitungen, Holzdübeln, zu entdecken. An einigen Ziegel sind hand-schriftlich die Jahreszahl „1944“ zu lesen. Oft sind auch Graffiti, aufgezeichnete Gesichter und Kritzelein, zu entdecken. Ebenso sind verblassende Notizen im Ziegelverband verblieben, die vielfach eindeutig in italienischer Sprache verfasst sind. Diese geben Hinweis, dass die Stollen von italienischen Zwangsarbeitern gebaut wurden. Zu lesen sind Namen, aber auch schwer zu entziffernde Schmäh- und Unmutsäußerungen, welche die Arbeiter im Verborgenen hinterlassen haben. Hier eine kleine Sammlung dieser historischen Zeugnisse.

(Marcello La Speranza)

 



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Zuletzt bearbeitet am   28.10.2020