Die Wiener Flaktürme- Im Inneren des Feuerleitturm Arenbergpark

Die errichteten Flaktürme in den Großstädten Berlin, Hamburg und Wien sind Sonderbauten in der Architektur der Bunkeranlagen. Insgesamt wurden 16 dieser Betonfestungen im „Deutschen Reich“ errichtet. Sechs davon wurden ab 1942 in der „Gaustadt“ Wien gebaut. Jeweils ein Geschützturm und ein Feuerleitturm bildeten eine Einheit und kommunizierten in der Befehlsübermittlung der Luftraumüberwachung. Die Türme erfüllten während des Krieges ihren militärischen und zivilschutzmäßigen Zweck. Neben Dienststellen der Luftwaffe, Räumen für Rüstungsproduktionen standen in den Türmen auch bombensicher Etagen für die Bevölkerung zur Verfügung. Alle Flaktürme bildeten autarke Stützpunkte, wo auch rund 40.000 Personen Schutz vor den alliierten Bomben finden konnten.

 

 

Im Feuerleitturm Arenbergpark befanden sich ebenso eine „Rettungsstelle“, sanitäre Anlagen und natürliche technische Einrichtungen, wovon wir auch noch entsprechende verbliebene Rudimente und Objekte vorgefunden haben. Interessant sind auch die obligatorischen Hinweis-Aufschriften „Rasch gehen“, „Mutter u. Kind“. Jedoch die oftmals versteckt vermerkten kleinen Kritzeleien von Zwangs- und Fremdarbeitern an so manchen Wänden, sind verblüffende Entdeckungen und Zeugnisse der NS-Epoche.

 

In einem Stockwerk gab es offensichtlich einen Großbrand, erkennbar an den verkohlen Resten der hölzernen Lüftungsrohre an der Decke. Die Aufschrift „Erst Gefechtsbatterie dann Kriegsversehrte“ über der Aufzugstür, zeigt von der Priorität der damaligen Nutzung. Auf der oberen Plattform des Turmes waren doch seinerzeit die Entfernungs-Meßgeräte der Luftraumüberwachung positioniert, die rasch die angreifenden Bomberverbände erfassen mussten.

 

Wir können uns gut vorstellen, wie in den überfüllten Etagen hunderte Mütter, Kinder und alte Personen psychische und physische Ängste ausstanden. Die Belüftungsanlagen und Stromversorgung sollten ein längeres Überleben garantieren. Personen mit ansteckenden Krankheiten war ein Aufenthalt in den öffentlichen Bunkeranlagen (laut Anweisungen) verboten. Wir finden Zettel der „Versehrtenräume“ und so manche medizinische Gerätschaften.

 

Nach dem Krieg wurden im Turm die Buchhaltung und ein Lager der Elektrofirma „Siemens & Halske“ eingelagert. Der Turm wurde sonst nicht weiter genutzt und geriet in Vergessenheit. Heute wird das Erdgeschoss vom Stadtgartenamt zur Einlagerung ihrer Parkgerätschaften verwendet. Bei einer archäologischen Untersuchung (durch den Autor) wurden unter dem Bauschutt tausende Relikte gefunden, u. a. Uniformteile, Kinderspielzeug, Feldpostbriefe, medizinisches Besteck, Kleidungsreste, Zeitungen, etc.

 

Für uns faszinierend bleibt der nahezu unberührte Zustand dieses rund 40 Meter hohen, rechteckigen Turmes. Unerfreulich sind die Graffiti von so manchen „Künstlern“, die im Turm ihre Spuren - zum Glück aber nur an wenigen Stellen - hinterlassen haben.

 Die Flaktürme in Wien sind ebenso Sachzeugnisse der Wiener Geschichte. Sie haben einen hohen historischen Wert. Sie bilden eine moderne Form der Stadtbefestigung und sind Resultat der Entwicklung von Waffentechnologie. In ihrer Architektur und Ästhetik spiegelt sich auch der Wehrcharakter der damaligen Zeit.

(Marcello La Speranza)

 

 

Literaturtipp:

Marcello La Speranza, Flakturm-Archäologie

(Edition Berliner Unterwelten, Berlin 2016)

 

 

 

PS: Unter den geborgenen Objekten fand sich auch ein Konvolut von Feldpostbriefen eines Luftwaffensoldaten, deren Tochter ausfindig gemacht werden konnte. Die Übergabe der persönlichen Briefe an die Familie war ein emotionales und erfreuliches Erlebnis.

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